Kultur
In den Jahren, die der Eroberung folgten, wurde die venezolanische Kultur vollständig
von den spanischen Siedlern geprägt. Der Einfluß von eingeboren präkolumbischen
Kulturen blieb äußerst gering, da diese bei Kontakt mit den spaniern sofort
assimiliert wurden.
Nach der spanischen Eroberung entwickelte sich die venezolanische Musik zu
einer Mischung aus spanischen, schwarzen und indianischen Rythmen. Der venezolanische
Nationaltanz ist der Joropo, der ursprünglich aus den Llanos, von den Llaneros,
den venezolanischen Cowboys, stammt. Zu einer Melodie, gespielt mit Maracas
(Kürbisrasseln) und der Quatro (eine kleine, 4-saitige Gitarre) wird ein improvisierter
Text gesungen, der meistens Geschichten aus alten Tagen, von vergangenen Liebschaften
und auch politischen Ereignissen erzählen. Die beliebtesten Tänze sind allerdings
die Merengue aus Santo Domingo und der puerto- ricanische Salsa.
Venezolanische Literatur hat sich auch erst während der Kolonialzeit entwickelt,
und die Werke dieser Zeit sind geprägt von spanischer Kultur und Gedankengut.
Chroniken und Gedichte aus ver- schiedenen Stilrichtungen waren die vorherrschende
Literaturform im 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert und mit der Unabhängigkeit
taucht immer mehr politiche Literatur auf. Besonders interessant ist die Autobiographie
von Francisco de Miranda. Romantische Literatur, die erste eigene venezolanische
Literaturform, erscheint zum ersten Mal in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein
schönes Beispiel ist Peonia von Manuel Romero García.
Die koloniale Architektur in Venezuela ist nicht zu vergleichen, etwa ,mit
den großen Bauten in Kolumbien, Peru und Ecuador. Kirchen und Häuser wurden
einfach, im spanischen Stil gebaut. Venezuela ist eher bekannt für seine modernen
Bauten. Die moderne Architektur kam in zwei Phasen, zum ersten Mal während Guzmán
Blancos Regierungszeit um 1870 und dann, intensiver in der Mitte des 20. Jahrhunderts,
als der Reichtum des neu gefundenen Erdöls dazu verwendet wurde, ganz Caracas
zu renovieren. Heute ist Caracas eine der modernsten Städte der Welt.
Präkolumbische Kunst in Venezuela ist hauptsächlich in Fels- malereien und
Höhlenzeichnungen in Form von Petroglyphen zu finden. Die Kolonialzeit war durch
religiöse Gemälde und Sculpturen im spanischen Stil gekennzeichnet. Die beeindruckendsten
Werke dieser Zeit sind die Skulptur des Hl. Petrus von Enrique Antonio Hernández
Prieto und Antonio José Landaetas Gemälde (Die unbefleckte Empfängnis). In der
darauffolgenden Zeit der Unab- hängigkeit lösten geschichtliche Themen religiose
Themen ab. Die Werke des Martín Tovar y Tovar sind ein gutes Beispiel für diese
Epoche. Die Kunst des 20. Jahrhunderts ist geprägt vom Modernismus und in den
30er und 40er Jahren dieses Jahrhunderts wurde mit sehr vielen Stilarten experimentiert.
Kinetische Kunst (?) ist in den letzten Jahrzehnten vermehrt aufgekommen, und
wird unter anderem von den Künstlern Carlos Cruz Díez und Jesús Soto repräsentiert.
In Caracas gibt es sehr viele Museen,
unter anderem das Museum der schönen Künste, das Kolonialmuseum, das Museum
der Naturwissenschaften und das Símon Bolívar Museum.
Die Tradition des venezolanischen Theaters begann Ende des 18. Jahrhunderts
und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das Nationaltheater wurde vor etwa 30 Jahren
gegründet und befindet sich in Caracas. Die Venezolanische Filmindustrie ist
nicht von Bedeutung. Es gibt nur wenige venezolanische Eigenproduktionen und
das venezolanische Publikum bevorzugt ausländische, vor allem nordamerikanische
Filme, die in den Kinos im Orginalton, mit spanischen Untertiteln gezeigt werden.
Venezuela hat eine sehr ausgeprägte Volkskunst. Viele Regionen haben ihre typischen
Handarbeiten, die eine Identifikation mit ihren kulturellen Wurzeln darstellen.
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